Die Bibel

Bevor wir uns in den nächsten Ausgaben mit dem Thema Gottesdienst beschäftigen wollen, zuerst einmal, auch aus Anlass des Bibelsonntags am 27. Januar, ein paar Basisinformationen zur Bibel:

 

Wie die Bibel zu uns kam

Tendenziell zweifelt der Mensch an der Existenz Gottes. Folglich ist es eine weit verbreitete Auffassung, der Echtheit der Bibel mit Skepsis zu begegnen. Nun ja, sie nimmt ja auch für sich in Anspruch, das einzig wahre Wort Gottes zu sein. Viele Köpfe haben sich schon mit folgenden berechtigten Fragen auseinandergesetzt.

Woher stammt die Bibel? Wer schrieb die Bibel – Gott oder der Mensch?

Ist die Bibel im Lauf der Jahrhunderte vor menschlichen Manipulationen bewahrt geblieben? Wie gut entsprechen die heutigen Übersetzungen den ursprünglichen Handschriften? Wie ist die Bibel in unsere Zeit und in unsere Sprache vorgedrungen?

Wenn die Bibel über einen Zeitraum von über 1.500 Jahren geschrieben wurde (ca. 1405 v. Chr. bis 95 n. Chr.) und nunmehr seit fast 2.000 Jahren überliefert und in mehrere tausend Sprachen übersetzt wird, was bewahrt die Bibel dann davor, dass sie aufgrund von Unachtsamkeit oder von falschen Motiven der Menschen verändert wird?

Ein Studium, das sich ausschließlich auf die biblischen Bücher konzentriert, klärt alle Fragen so weit, dass man sich dadurch nicht mehr verunsichern lassen muss. Die Bibel selbst bietet diese Gewissheit.

Was die Bibel über sich selbst behauptet

Nehmen wir die Bibel und lassen sie für sich selbst sprechen. Behauptet sie, Gottes Wort zu sein? Ja! Allein im AT behauptet die Bibel über 2.000 Mal, dass Gott das gesprochen hat, was dort aufgeschrieben ist. Vom Anfang (1. Mo 1,3) bis zum Ende (Mal 4,3) und kontinuierlich ist es das, was die Bibel von sich behauptet.

Diverse Passagen in der Schrift machen gewichtige Aussagen über Gottes Wort, wodurch sich diese von allen anderen religiösen Anweisungen unterscheidet, die in der Weltgeschichte jemals bekannt waren. Diese Abschnitte erklären, warum die Schrift zu Recht »heilig« (2.Tim 3,15; Röm 1,2) genannt wird. Die Bibel beansprucht höchste geistliche Autorität in Lehre, Ermahnung, Korrektur und Unterweisung in der Gerechtigkeit, weil sie das inspirierte Wort des allmächtigen Gottes darstellt (2.Tim 3,16,17). Die Bibel behauptet, geistlich allgenügsam zu sein, und zwar so sehr, dass sie für ihre Lehre Exklusivität beansprucht (vgl. Jes. 55,11; 2.Pt 1,3.4).

Gottes Wort erklärt, dass es irrtumslos (Ps. 12,6; 119,140; Spr. 30,5a; Joh. 10,35) und unfehlbar ist (2Tim 3,16.17). Anders ausgedrückt: Es ist wahr und deshalb vertrauenswürdig. Alle diese Eigenschaften hängen von der Tatsache ab, dass die Schrift von Gott gegeben ist (2.Tim 3,16; 2.Pt 1,20.21), was ihre Qualität aufgrund ihres Ursprungs und bezüglich ihrer ursprünglichen Abfassung garantiert.

Der Offenbarungsprozess

Gott ergriff die Initiative, um sich der Menschheit zu offenbaren (Hebr. 1,1). Die Kanäle der Offenbarung variierten; manchmal offenbarte er sich durch die Schöpfungsordnung, andere Male durch Visionen oder Träume oder durch Propheten. Die vollständigste und verständlichste Selbstoffenbarung ist jedoch der Inhalt der Bibel (1.Kor. 2,6-16). Das offenbarte und geschriebene Wort Gottes ist deshalb einzigartig, weil es die einzige vollständige Offenbarung Gottes ist und die Sündhaftigkeit des Menschen und Gottes Rettungsplan und Retter vollkommen deutlich macht.

Inspiration

Die Offenbarung Gottes wurde mittels der »Inspiration« in den Schriften der Bibel festgehalten. Die Behauptung lautet: »Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben« (2.Tim. 3,16). Petrus erklärt diesen Vorgang: »Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift ein Werk eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet« (2.Pt 1,20.21). Dadurch wurde das Wort Gottes bei der ursprünglichen Abfassung vom Heiligen Geist vor menschlichen Irrtümern bewahrt (vgl. 5.Mo 18,18; Mt 1,22).

Kanonität

Wir müssen verstehen, dass die Bibel eigentlich ein einziges Buch mit nur einem göttlichen Autor ist, obwohl sie über einen Zeitraum von 1.500 Jahren von fast 40 menschlichen Autoren verfasst wurde.

Die Bibel beginnt mit dem Schöpfungsbericht in 1. Mose 1.2, der von Mose etwa 1405 v. Chr. aufgeschrieben wurde, und erstreckt sich bis zur Beschreibung der ewigen Zukunft in Offenbarung 21.22 durch den Apostel Johannes etwa 95 n. Chr. Doch das wirft eine wichtige Frage auf: »Woher wissen wir, welche heiligen Schriften in den Kanon der Bibel aufgenommen werden und welche davon ausgenommen sein sollten?«

Im Lauf der Jahrhunderte wurden drei weitgehend anerkannte Prinzipien angewendet, um herauszufinden, welche Schriften wirklich das Ergebnis göttlicher Offenbarung und Inspiration sind. Erstens musste die Schrift von einem anerkannten Propheten oder Apostel geschrieben worden sein (oder von einem Mitarbeiter von ihnen, wie z.B. bei Markus, Lukas, Jakobus und Judas). Zweitens durfte das Dokument nicht den bisherigen inspirierten Schriften widersprechen. Drittens musste ein allgemeiner Konsens in der Gemeinde darüber bestehen, dass es sich um ein inspiriertes Buch handelte.

Bewahrung

Als Vorsorge gegen die bösen Absichten von Mensch und Teufel gegen die Bibel hat Gott verheißen, sein Wort zu bewahren. Das andauernde Fortbestehen der Bibel wird in Jesaja 40,8 garantiert: »Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit« (vgl. 1.Pt 1,25). Das bedeutet sogar, dass keine inspirierte Schriftstelle in der Vergangenheit verloren gegangen ist und wiederentdeckt werden könnte. Der Kampf um die Bibel ist seit je her im Gange, aber die Schrift hat alle feindlichen Angriffe bis zum heutigen Tag überstanden, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. »So soll das Wort sein, das aus meinem Munde geht: Es soll nicht leer zu mir zurückkehren, sondern ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es sende« (Jes. 55,11).

Überlieferung

Im Lauf der Jahrhunderte haben die so genannten Textkritiker, die eine präzise Wissenschaft betreiben, eine erstaunliche Menge an biblischen Handschriften sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments entdeckt, konserviert, katalogisiert, ausgewertet und veröffentlicht. Es liegen tatsächlich viel mehr Bibelhandschriften vor, als Fragmente irgendeines anderen antiken Literaturstücks. Wir können darauf vertrauen, dass Textkritiker durch das Vergleichen von Texten kompetent bestimmen können, welches der ursprüngliche, prophetisch bzw. apostolisch inspirierte Wortlaut ist.

Die Entdeckung der Qumran-Schriftrollen zwischen 1947 und 1956 (es handelt sich um Handschriften, die auf ca. 200–100 v. Chr. datiert werden) war z.B. von enormer Wichtigkeit. Ein Vergleich der älteren hebräischen Texte mit den jüngeren ergibt nur einige geringe Abweichungen, wobei keine dieser Abweichungen den Sinn irgendeiner Schriftstelle änderte. Obwohl das Alte Testament jahrhundertelang übersetzt und vervielfältigt wurde, entspricht die jüngste Version im Wesentlichen den älteren.

Die Funde des Neuen Testaments sind sogar noch überzeugender, weil hier noch viel mehr Material zum Studium vorliegt; es gibt über 5.000 griechische Handschriften des Neuen Testaments, darunter ganze Testamente bis hin zu Papyrusschnipseln, die nur einen Teil eines einzigen Verses enthalten. Einige wenige existierende Fragmente werden auf eine Zeit von nur 25–50 Jahren nach der Abfassung der Originalschriften datiert.

Die Textkritiker des Neuen Testaments sind zu dem allgemeinen Schluss gekommen, dass 1) 99,99 % der ursprünglichen Schriften gesichert sind und 2) es unter den verbleibenden 0,01 % keine Abweichungen gibt, die grundlegende christliche Lehren betreffen.

Zusammenfassung

Gott wollte, dass sein Wort für immer bewahrt wird (Bewahrung). Deshalb wurde seine geschriebene Selbstoffenbarung (Offenbarung) in ihrer ursprünglichen Abfassung vor Irrtum bewahrt (Inspiration) und in 66 Büchern des Alten und Neuen Testaments gesammelt (Kanonität).

Im Lauf der Jahrhunderte wurden Zehntausende von Abschriften und Tausende von Übersetzungen angefertigt (Überlieferung), wobei Fehler unterliefen. Weil jedoch eine Fülle antiker Handschriften des Alten und des Neuen Testaments vorliegen, ist die exakte Wissenschaft der Textkritik imstande, den Inhalt der Originale in dem hohen Masse von 99,99% zu rekonstruieren (Offenbarung und Inspiration), wobei die verbleibenden 0,01% keine Auswirkung auf den Inhalt haben (Bewahrung).

Das heilige Buch, das wir lesen, studieren, befolgen und verkünden, verdient es, uneingeschränkt »Die Bibel« oder »Das Buch ohnegleichen« genannt zu werden, da sein Autor Gott ist und es die Eigenschaft absoluter Wahrheit und völliger Vertrauenswürdigkeit besitzt, die auch ihre göttliche Quelle charakterisieren.

Kommen noch weitere Offenbarungen?

Wie können wir wissen, dass Gott unsere heutige Bibel nicht um ein 67. inspiriertes Buch erweitern wird? Oder anders ausgedrückt: »Ist der Kanon für immer abgeschlossen?« Die Bibel warnt, dass niemand etwas aus dem Bibeltext löschen oder hinzufügen soll (5. Mo 4,2; 12,32; Spr. 30,6). Die überzeugendste Schriftstelle über den abgeschlossenen Kanon sind jene Verse, nach denen seit 1.900 Jahren nichts mehr hinzugefügt worden ist: »Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen« (Offb. 22,18.19).

Die Bibel

Dieses Buch enthält die Gedanken Gottes, den Zustand des Menschen, den Weg der Errettung, das Schicksal der Sünder und die Glückseligkeit der Gläubigen. Ihre Lehre ist heilig, ihre Vorschriften verbindlich, ihre Geschichten wahr und ihre Ratschlüsse unwandelbar. Lies sie, um weise zu werden, glaube sie, um gerettet zu werden, und praktiziere sie, um heilig zu werden. Sie enthält Licht, um dich zu leiten, Speise, um dich zu stärken, und Trost, um dich zu erfreuen. Sie ist die Landkarte des Reisenden, der Wanderstab des Pilgers, der Kompass des Seefahrers, das Schwert des Soldaten und die Charta des Christen. Sie sollte unser Gedächtnis füllen, unsere Herzen regieren und unsere Füße lenken. Lies sie bedächtig, häufig und unter Gebet. »Darum danken wir auch Gott unablässig, dass ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch wirkt in euch, die ihr gläubig seid« (1. Th. 2,13).

Fortsetzung: Wie man die Bibel studiert


Autor: John MacArthur